Die Fußball WM politisch gesehen

 

Die Deutschlandfahne

Ganz Deutschland trägt schwarz-rot-gold. Fenster und Balkon sind mit Fahnen geschmückt, Autos mit Wimpeln ausgestattet, Fans tragen Klamotten, Ketten, Kopfbedeckungen in den Nationalfarben. Und auf den Fanmeilen wehen einem bei einem Tor der deutschen Stürmer riesige Stoffbahnen um die Ohren. Sieht toll aus – und trotzdem finden es nicht alle gut, dass überall Fahnen geschwenkt werden.

Denn Fahnen sind keine Fanartikel, auch wenn es im Moment so aussieht. Fahnen sind Symbole für Nationen, für das Vaterland. Jedes Land hat eine eigene; jedes Land lässt seine Soldaten auf diese Fahne schwören. Vor dem Reichstag und dem Bundeskanzleramt weht die deutsche Fahne immer. Wo es schwarz-rot-gold flattert, ist Deutschland drin.

Die Kritiker befürchten nun, dass unter den vielen Fahnen ein gefährliches Gefühl der Überlegenheit aufkommen könnte. Dass es nicht um den Spaß am Fußball und am Spiel der deutschen Mannschaft gehen könnte, sondern um ein Überlegenheitsgefühl ganz anderer Art. Dass die Leute denken könnten: Deutschland ist besser als andere Länder.

Diese Überzeugung nennt man Nationalismus. Sie hat in Deutschland schon einmal zu einem fürchterlichen Krieg und zum Tod von Millionen von Menschen geführt. Adolf Hitler und seine Nationalsozialistische Partei haben einen Weltkrieg angezettelt. Und sie haben Millionen von Juden, Zigeunern, Homosexuellen und anderen in ihren Augen minderwertigen Menschen in Konzentrationslagern umgebracht. Auch damals wehten überall Fahnen. Die Menschen auf der Straße mussten diese Fahnen grüßen.

Allerdings sah die Fahne damals anders aus. Die schwarz-rot-goldene Fahne ist über 150 Jahre alt. Zuerst wurde sie von den Aufständischen benutzt, die im März 1848 gegen die Truppen des damaligen Königs kämpften – für Demokratie. Als 1918 in Deutschland der Kaiser verjagt und eine Republik ausgerufen wurde, wurde die schwarz-rot-goldene Fahne zur Nationalflagge. Dann kamen die Nazis und ließen ihre Hakenkreuzfahne wehen. Die Fahne von heute weht wieder seit der Gründung der Bundesrepublik 1949.

Gegen die Fahne an sich ist also überhaupt nichts zu sagen. Es ist in Deutschland nur sehr ungewöhnlich, so viele Menschen begeistert Fahnen schwenken zu sehen. Aber so lange das den Fußballspielern gilt und dem Spaß an der WM, so lange muss sich niemand Sorgen machen.

 

Autor: Kristine Kretschmer
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