Nach großen Erfolgen eines russischen Nationalteams sucht man in jüngster Zeit vergebens. Doch lange Zeit gab es überhaupt keinen russischen Fußballbund. Als die UdSSR, ein Staat, der neben dem heutigen Russland noch andere Länder, wie die Ukraine oder Weißrussland umfasste, noch existierte, gehörte die Nationalmannschaft der UdSSR zu den weltbesten und konnte große Siege verzeichnen.
Eine wechselvolle Fußballgeschichte
Nachdem bereits 1901 die erste Fußballliga in Russland ins Leben gerufen wurde, gründete man 1912 den russischen Fußballbund (Rossijski Futbolni Sojus). Das erste Länderspiel wurde 1912 gegen Finnland 2:1 verloren. Am 30. Dezember 1922 wurde aus dem Russischen Zarenreich die Sowjetunion und somit setzte sich die Nationalelf nun aus anderen Spielern zusammen. Jedoch verbot die FIFA ihren Mitgliedern gegen die UdSSR anzutreten und es dauerte bis 1946 ehe man in die FIFA aufgenommen wurde.
Das Team der Sowjetunion gehörte bald zur Weltspitze, da man die Mannschaft aus den besten Spielern verschiedener Länder, vor allem der Ukraine, zusammenstellen konnte. Bei Europameisterschaften sind die größten Erfolge zu verzeichnen: Die Russen können einen Titel, drei zweite Plätze und einen vierten Platz vorweisen. Bei Weltmeisterschaften ist ihr bestes Ergebnis allerdings nur der vierte Platz 1966. Daneben erspielten sie sich bei Olympia zweimal Gold und dreimal Bronze. Nachdem sich die UdSSR aufgelöst hatte wurde der alte russische Fußballbund wieder gegründet. Doch Erfolge sucht man vergebens. Bei den jeweils zwei Teilnahmen an Endrunden der EM und WM schied man bereits in der Vorrunde aus.
Die Russen haben in letzter Zeit wenig Zählbares zustande gebracht und stehen auf Platz 25 der FIFA-Rangliste. Zu Zeiten der UdSSR war Oleh Blochin Rekordnationalspieler und -torschütze. Der gebürtige Ukrainer erzielte 42 Tore in 112 Spielen. Im noch jungen russischen Fußballbund halten Wiktor Onopko mit 109 Spielen und Wladimir Bestschastnych mit 29 Toren diesen Rekord. Die Russen spielte bisher erst viermal gegen Deutschland. Sie konnten allerdings keines dieser Spiele gewinnen, schafften nur zweimal ein Unentschieden. Die UdSSR trat zwölfmal gegen Deutschland an und war dreimal siegreich.
Die Premjer Liga ist die höchste russischen Spielklasse. 2002 löste sie die alte Oberste Division als erste Liga ab. Dominiert wird sie seit 1992 von Vereinen aus Moskau. Rekordmeister ist mit neun Meisterschaften Spartak Moskau. Der amtierende Meister Zenit St. Peterburg ist erst der zweite Titelgewinner, der nicht aus Moskau kommt.
Hiddink - ein sagenhafter Trainer
Die Nationalelf wird vom Niederländer Guus Hiddink. Er sorgte bereits dafür, dass das Nationalteam von Autralien an der WM 2006 in Deutschland teilnehmen konnte, brachte die südkoreanischen Kicker 1998 zur WM im eigenen Land in Form und erreichte mit diesen Außenseitern sehr beachtliche Leistungen. Auch bei namhaften Vereinen wie Real Madrid oder Fenerbahce Istanbul saß er schon auf der Trainerbank. Mit dem PSV Eindhoven wurde er mehrmals Meister.
Die Qualifikation für die Europameisterschaft 2008 gelang seinem neuen, russischen Nationalteam allerdings vor allem mit viel Glück. Die Schwäche der Gegner aus Andorra wurde ihnen zum Sieg.
Die Mannschaft
Die meisten Mitglieder von Hiddinks Kader spielen in der heimischen russischen Liga beim Meister St. Petersburg oder bei einem der Moskauer Klubs, wie zum Beispiel Kapitän Andrei Arschawin oder Mittelfeldspieler Juri Schirkow. Einige wenige sind im Ausland unter Vertrag, darunter Marat Ismailow (Sporting Lissabon), Alexei Smertin (FC Fulham) und Iwan Saenko (1. FC Nürnberg). Mit dieser Mannschaft wollen die Russen nun endlich ein gutes Ergebnis bei der EM 08 erzielen und an glorreiche Zeiten erinnern.